Puff von Hiltinho Fantástico in Alice Ripoll

Kluge Kooperation - spannendes Programm

MK X DANCE startet an den Münchner Kammerspielen

Die neue Tanzreihe, kuratiert von Tobias Staab, führt die Themen des International DANCE Festival München zwischen den Festivalausgaben künstlerisch fort.

München, 05/11/2026

Der zeitgenössische Tanz mit seinen aktuellen Diskursen und Ästhetiken zieht in München seit vielen Jahren auch in die renommierten Schauspielhäuser ein. Barbara Mundel und ihr Team arbeiten schon lange mit der spannenden Tanzszene in München und international zusammen. Die Kammerspiele sind fast immer Kooperationspartner des International DANCE Festival München, und das auch schon unter anderen künstlerischen Leitungen vor Tobias Staab. 

Aber DANCE und sein Publikum kennen die künstlerisch-kuratorische Herausforderung, die ein Zweijahresrhythmus mit sich bringt. Da es in München immer noch kein Produktionhaus gibt, findet internationaler zeitgenössischer Tanz abseits der großen Festivals in der Landeshauptstadt zu wenig statt. Der große Erfolg der Ausgabe 2025 mit dem Fokus auf Bildende Kunst, Digitales und Clubkultur weckte somit erneut den Bedarf für mehr zeitgenössische, diverse, interdisziplinäre und gesellschaftspolitische Vorstellungen zwischen den Festivals. 

Daher ist diese neue Kooperation eine Bereicherung, die in regelmäßigen Abständen Tanz ins Münchner Kulturleben trägt. Die neue Tanzreihe MK X DANCE, kuratiert von Tobias Staab, führt die Themen, die DANCE bewegen, künstlerisch fort. Mit den Münchner Kammerspielen und ihrem Werkraum. Geplant sind kleinere Formate, vor allem Soli und Duette, flankiert von Artist Talks und Workshops, die Nähe erzeugen — zwischen Performer*innen und Publikum, aber auch innerhalb der Produktionsprozesse selbst.

Diese Kooperation gibt Tobias Staab die Chance, Künstler*innen erneut einzuladen und Beziehungen zu vertiefen. Was im Festival beginnt, wird hier weitergeführt und intensiviert. MK X DANCE verankert Tanz so nachhaltig im Programm. Und schafft damit Verbindung und Wiederbegegnung.

Tobias Staab sagt dazu: „Schon lange hat mich die Frage beschäftigt, wie wir es schaffen, dass der Spirit, der die DANCE-Ausgabe 2025 so magisch machte, auch über die lange Festivalpause erhalten bleibt. Die Antwort ist diese neue Plattform, die mich mit großer Dankbarkeit erfüllt! Denn durch die Kooperation mit den Münchner Kammerspielen sorgen wir nicht nur für Kontinuität, sondern erzeugen sogar einen Mehrwert. MK X DANCE macht es möglich, dass das begeisterungsfähige Münchner Tanzpublikum das ganze Jahr über immer wieder in das DANCE-Universum eintauchen und die Performances dank der intimen Formate sogar noch eindrücklicher erleben kann.“

 

MK X DANCE 2026/27 

MK X DANCE #1
Alice Ripoll, Puff
Mittwoch, 11. November 2026 um 19:30 Uhr 
Im Anschluss Artist Talk
Das immersive Solo Puff begreift Verkleidung als Medium der Erinnerung – als etwas, das verborgene Kulturen, Traditionen und das Wissen der afrikanischen Diaspora in sich weiterträgt. Allein auf der Bühne steht der brasilianische Tänzer Hiltinho Fantástico, und doch scheint der Raum bevölkert: von Gesten, Rhythmen, Spuren. Seine Bewegungssprache wurzelt im Passinho, einem urbanen Tanzstil aus den Favelas von Rio de Janeiro, und verbindet sich mit Elementen von Samba und Capoeira. Der Körper des Tänzers wirkt dabei zugleich vertraut und entrückt, wechselweise präsent und sich entziehend. Der Klang wiederum entwickelt sich aus dem Körper selbst: Atem, Schritte, das Schlagen der Brust verdichten sich zu einer eigenen musikalischen Struktur.
Alice Ripoll formt Puff zu einem flüchtigen Bild — wie ein Hauch, der im Moment seines Erscheinens wieder verschwindet. Und gerade darin liegt seine Kraft: als Erinnerung daran, dass kulturelles Erbe sich verwandelt, weiterlebt, selbst dort, wo wir es zunächst kaum wahrnehmen.


MK X DANCE #2
Showing Ceren Oran & Moving Borders 
All Abled Arts / Mit Audiodeskription
Donnerstag, 17. Dezember 2026. Tastführung um 19:00 Uhr / Showing um 19:30 Uhr

Wie erfahren Menschen einen Raum, in dem die Bedingungen nicht für alle gleich sind? Wie werden unterschiedliche Sinneserfahrungen zur künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit? Finden wir eine Form von Zusammensein, die verbindet statt zu spalten? Im Vorgriff auf die Uraufführung bei DANCE 2027 präsentieren Ceren Oran & Moving Borders eine offene Probe ihrer neuen Arbeit. Die Besetzung mit drei sehbeeinträchtigten und drei sehenden Performer*innen macht Wahrnehmung als etwas Relationales greifbar – als ein Geflecht aus Hören, Tasten, Orientierung im Raum. Vorherrschende Annahmen werden so außer Kraft gesetzt, in kollektiver Entscheidung neu austariert und in Bewegung übersetzt.
Der Abend beginnt mit einer Tastführung durch den Werkraum, gefolgt von Arbeitsproben auf der Bühne. Das Publikum bekommt die Gelegenheit, mit in die Recherche einzutauchen und sich im Anschluss über das Gesehene, Gehörte und Erlebte auszutauschen.


MK X DANCE #3
François Chaignaud & Aymeric Hainaux, Mirlitons
Mittwoch, 24. März 2027 um 19:30 Uhr
Im Anschluss Artist Talk

Mirlitons lebt von der Begegnung zweier sehr unterschiedlicher künstlerischer Universen: Chaignaud, Choreograph, Tänzer und Sänger, der seit Jahren Stimme und Körper zum Träger sinnlicher und spiritueller Zustände macht, und Aymeric Hainaux, Beatboxer und Musiker, dessen unerschöpfliches Arsenal an Stilmitteln Rhythmus und Feedback ebenso umfasst wie die Wiederholung und den Schrei.
Ist Mirlitons ein Konzert, ein Ritual, Battle oder pastorale Szene? Oder alles zugleich? Auf alle Fälle haben wir es hier mit einem Dialog an der Grenze des Kontrollierbaren zu tun. Beide Künstler treiben einander gegenseitig an, testen ihre Limits und bewegen sich in Zonen, in denen Gesang und Rhythmus instabil werden. Die Bühne wird zu einem Spielfeld mit offenen Regeln: Stimmen, Füße und Arme schreiben gemeinsam eine physische Partitur. Der Titel der Produktion hat im Französischen ganz unterschiedliche Bedeutungen  – er kann ein Instrument meinen, einen Kopfschmuck, eine Münze oder eine Gebäckspezialität. Genauso vieldeutig ist dieses Stück. Es ist klanglich, körperlich, flüchtig: ein fragiles und doch intensives Gebilde, das sich nur festlegen lässt, um sich im nächsten Moment wieder zu entziehen.

Kommentare

Noch keine Beiträge

Ähnliche Artikel

basierend auf den Schlüsselwörtern